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Schon Heinrich Gottfried Gengler fügte seiner Geschichte der Erlanger Schützen 1920 eine Liste der Vogelkönige der Hauptschützengesellschaft bei. Diese Liste ist nicht nur lückenhaft, sie ist auch ungenau. Die von ihm genannten Vogelkönige der Jahre 1851 – 1858 waren nämlich nicht Vogelkönige der erst 1864 entstandenen Hauptschützengesellschaft, sie waren Vogelkönige der Altstädter Schützengesellschaft. Auch Karl Moosburger, der an die Gengler-Chronik anknüpfte und die Liste der Vogelkönige fortschrieb, mußte in seiner Liste für das Jahr 1929 eine Lücke offenlassen. Den Vogelkönig dieses Jahres hatte er nicht ermitteln können. Als ich 1991 daran ging, unsere Schützenscheiben und Vogelkönigsbilder fotografisch zu katalogisieren, konnte ich diese Lücke schließen. Simon Dollinger, der Schütze, der 1951 mit dem Luftgewehr den Sperrholzvogel abgeschossen hatte, war der Vogelkönig des Jahres 1929 gewesen. Konnte ich schon in der Chronik zum 300-jährigen Vogelschießen die Liste der Vogelkönige für die Zeit vor 1900 deutlich verlängern, so weist die neu gefasste Chronik von 2006 für die Zeit vor 1900 inzwischen 35 Vogelkönige auf.

Ein von Hans Kraus gestiftetes und vom Ehrenschützenmeister Hermann Junge erstelltes Verzeichnis der Scheiben und Bilder im Waldschießhaus aus dem Jahre 1933, liefert interessante neue Erkenntnisse. Bei der Durchsicht der Verzeichnisse von Junge überrascht, daß die Bezeichnung Vogelkönig auf Bildern und Schützenscheiben erst sehr spät auftaucht. Friedrich Junge, nach Gengler der Vogelkönig 1895/96, ist der erste, der sich auf seiner Scheibe von 1896 als „Vogelkönig“ bezeichnet. Auf allen früheren Scheiben ist von Schützenkönigen, bei französischen Scheiben vom „Roi“ die Rede. Ähnlich verhält es sich bei den Bildern. Hier bezeichnet sich Erich Adam als erster als Vogelkönig, obwohl er sich auf seiner Scheibe von 1802 noch als Schützenkönig ausweist. Im einzelnen fallen folgende abweichende Bezeichnungen auf:

1812   Loschge Johann Gottlieb, der Vogelkönig, der den wieder gestatteten Vogelzug von 1846 anführte, nennt sich auf seiner Scheibe Schützenkönig.

1846   Vogelkönig Klus Georg nennt sich auf seiner Scheibe Schützenkönig.

1847   Schmidt Heinrich, nach dem Bild Vogelkönig, nach der Scheibe Schützenkönig.

1872   Denner Andreas, nach Gengler Vogelkönig, nennt sich auf seinem Portrait Schützenkönig.

Unter Berücksichtigung dieser Änderung im Sprachgebrauch ist die bisherige Auffassung, Schützenkönige seien die Gewinner eines Scheibenschießens, für Erlangen so nicht mehr aufrecht zu erhalten. Nur die Schützenkönige, die in Zeiträume fallen, in denen kein Vogelschießen stattfand, können als Schützenkönige auf Grund eines Scheibenschießens angesehen werden. Dies dürften sein:

1813   Schiedmeyer Joh. Erhardt und

1814   Egensteiner Thomas Georg.

Es ist zwar denkbar, daß in der Zeit von 1813 –1845 Vogelschießen ohne Vogelzug stattfanden, es wäre dann jedoch zu fragen, warum der Vogelkönig des Jahres 1812 und nicht einer der Jahre 1813 – 1845 den Vogelzug des Jahres 1846 anführte. Wahrscheinlicher ist, dass diese Schützenkönige tatsächlich durch ein Scheibenschießen ermittelt wurden.

Da das Scheibenverzeichnis von Junge auch Scheiben der Neustädter Schützengesellschaften enthält und nicht nach den einzelnen Schützengesellschaften gegliedert ist, mußten Zeiträume, in denen in einzelnen Schützengesellschaften das Vogelschießen ruhte, näher untersucht werden. Dies sind die Jahre:

1751 – 1758   und

1771 – 1773   in der deutschen Schützengesellschaft der Neustadt,

1786 – 1795   in der deutschen und französischen Schützengesellschaft in der Neustadt.

Im letztgenannten Zeitraum wechselten sich die beiden Schützengesellschaften im Vogelzug ab, was bedeuten könnte, daß die Gesellschaft, die gerade kein Vogelschießen abhielt, in einem Scheibenschießen einen Schützenkönig kürte. Unter diesen Gesichtspunkten könnten die folgenden Schützenkönige nur dann als Vogelkönige in Frage kommen, wenn sie entweder Mitglieder der Altstädter Schützengesellschaft waren, für die Unterbrechungen des Vogelschießens nur für 1813 – 1845 belegt sind, oder Mitglieder derjenigen Gesellschaft waren, die gerade in dem betreffenden Jahr das Vogelschießen abhielt:

1786   Dumange Jean Baptist (gegebenes Königsschießen 9.7.1787)

1787   Wadt Adam

1787   Fleischmann Joh. Gg.

1789   Albert Thimot. (Roi 20.7.1789)

1790   Krebser B. Chr. Paul, vormaliger Schützenkönig 29.9.1791

1795   Niettner Joh. Gg.

Die folgenden Schützenkönige dürften deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit in die Liste der Vogelkönige einzureihen sein, auch wenn nicht sicher ist, welcher Gesellschaft sie zuzuordnen sind:

1755   Steinbach And. (vermutlich Bewohner der Altstadt)

1775   Barthe Etienne (Französische Schützenge- sellschaft)

1776   Mülling Bernhard

1777   Lantre Jean (Französische Schützengesell- schaft)

1779   Perrin Francois Antonio (Französische Schützengesellschaft)

1780   Perrin Francois Antonio (Französische Schützengesellschaft)

1781   Krebser Joh. Gg.

1781   Winkelmann J. Pet.

1782   Schnaidberger Joh. Georg

1783   Dorsch Joh. Christ.

1784   Dorsch Joh. Christ.

1796   Forster Johann Paulus (Altstädter Schützen)

1797   Fussner Mich.

1802   Erich Adam (Vogelkönig der Altstädter Schützen)

1803   Adelmann Georg Wolfgang

1804   Fuchs Andreas

1847   Schmidt Heinrich (Altstädter Schützen)

1848   Dauer Joh. M. (Altstädter Schützen)

Die folgenden Portraits von Vogelkönigen verzeichnet Junge ohne Nennung eines Datums:

Kleinlein, Körber, Mengin, Rosshirt, Schlerf und Schneider.

Für die Zeit vor 1900 lassen sich deshalb nach heutiger Kenntnis 55 Vogelkönige namentlich nachweisen. Eine aktualisierte Ergänzung der Liste von 2006 ist dem von mir als Fotobuch erstelltem Verzeichnis der Schützenscheiben und Vogelkönigsbilder beigefügt.

 

Richard Dietz