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Im Erlanger Stadtlexikon ist nachzulesen, dass die Vereinigung der bis dato getrennten Städte „Erlang“ und „Christian Erlang“ zu einer einheitlichen Stadt „Erlangen“ im Jahre 1812 nicht ohne Geburtswehen von sich ging. Dies ist nicht weiter verwunderlich. Die Vereinigung war nicht demokratisch legitimiert, die Bürger waren nicht gefragt worden. Die Vereinigung war „von Oben“ angeordnet worden. Man wollte durch Zusammenlegung von Ämtern und Behörden Verwaltungskosten sparen. Der Teufel steckte aber im Detail. So wurden die protestantischen Schüler der Altstadt und Neustadt weiterhin in getrennten Klassen unterrichtet. Da konnten keine Kosten eingespart werden.

Und was machten die Schützen? Die 1812 zwangsvereinigte Schützengesellschaft löste sich bereits 1815 wieder auf, für Alt- und Neustadt bildeten sich wieder separate Schützen-gesellschaften. Ab diesem Punkt wurden allerdings vom Magistrat deutlich Kosten eingespart. Da sich die beiden Schützengesellschaften nicht über die Verteilung der der Schützengelder einig wurden, stellte der Magistrat die Zahlung kurzerhand gänzlich ein und sparte diese Ausgaben bis zum Jahre 1847, als die Regierung endlich über den Streit entschieden hatte.

Erst zwei Generationen nach der Zwangsehe waren die Bürger der beiden „Stadtteile“ soweit zusammengewachsen, dass es zur Vereinigung der noch getrennten Schützengesellschaften kommen konnte. Am 6.3.1864 wurden gemeinsame Statuten unter den Mitgliedern beider Gesellschaften verteilt, und bereits am 10.3.1864 ging eine gemeinsame Beileidsadresse an die Königin zum Tod König Maximilian II. Die Erstellung der erforderlichen notariellen Urkunde nahm einige Zeit in Anspruch, es dauerte, bis alle Schützen unterschrieben hatten. Nach Gengler war die Vereinigung 1867 amtlich vollzogen und Gottschalk v. Loewenich stiftete aus Freude darüber den Schützen 500 Gulden.

Die Königlich Privilegierte Hauptschützengesellschaft könnte, wenn sie in ihren Chroniken blättert, beinahe jedes Jahr irgendein Jubiläum feiern. Das ginge natürlich zu weit. Aber ein Motiv für ein Scheibenschießen wäre die 150. Wiederkehr der Vereinigung der beiden Schützengesellschaften allemal. Ein solches Scheibenschießen wäre auch wieder einmal eine PR-Maßnahme. Die Lokalpresse greift Ereignisse mit lokalhistorischem Bezug in aller Regel gerne auf.

Richard Dietz